HISTORIE

Die ruhmreiche Geschichte des SC Oelde 09

6.6.1909 – 9.3.1990 

Borussia Dortmund, Schalke 04, SC Oelde 09. Dies sind ohne Zweifel die drei größten Fußball-Vereine, die Westfalen und das Ruhrgebiet jemals hervorgebracht haben. Der SCO steht in dieser Troika zwar nur auf Rang drei, doch hat auch er eine ruhmreiche Geschichte vorzuweisen; mit legendären Partien (wie dem 9:0 gegen SV Neuhaus 1931 oder dem Gewinn des Karl-Heinz-Overbeck-Gedächtnispokals durch die SCO-B-Jugend 1988 auf der heimischen Moorwiese) und großen Spielern, einige von ihnen sogar in gleich mehrfacher Ausführung, wie etwa die Heitkamps, Heylands, Fischers, Pinkerneile, Brormänner, Beckers, Rottkorts und Kleinelanghörster. Singulär blieben hingegen Rahn und Bisping.


6. Juni 1909

Unter dem Namen „Sportclub Preußen“ wird der „Erste Oelder Fußballverein“ gegründet. Die Anfänge waren schwer. Fußball wurde damals erst langsam populär und stieß nicht nur bei westfälischen Dickköpfen auf großes Unverständnis.

In einem Artikel der Festschrift zum 50-jährigen Bestehen des SCO 1959 heißt es zu den Anfängen des SCO:

„Auf jeden Fall gehörte schon eine gehörige Portion Mut dazu, vor 50 Jahren am Axtbach einen Fußballverein auf die Beine zu stellen. Der in den Städten als Modekrankheit verpönte Rasensport, dessen Bazillus nur Narren infizieren konnte, durfte unmöglich zu einer öffentlichen ‚Landplage’ werden. So dachten passionierte Fußball-Widerständler nicht nur im damals noch völlig windstillen Oelde. (…) Eine Handvoll vergessener Fußballpioniere verdiente sich mit Bitt- und Bettelgängen um Platz und Spielraum die ersten Goldenen Sporen am Hofe eines ‚heimlichen’ Königs, der ohne die Opferbereitschaft und den Idealismus dieser Namenlosen nie im Leben hätte Fußballstaat machen können!“

Und in einem Artikel der „Glocke“:

„Aller Anfang ist schwer. Das erfuhr der 1909 gegründete erste Oelder Fußballverein, der Sportclub Preußen alsbald. Mehrfach musste der Platz gewechselt werden, weil die Grundstückseigentümer auf ihrem Grund die ‚rohen Fußballspieler’ nicht dulden wollten. Zuerst fanden Spiele auf der Hoffmannschen Wiese statt, die später Sommers Wiese zugeschlagen wurde. (… ) Dann traf man sich in Keitlinghausen zum Fußballspiel, bevor die Mannschaft auf drei Plätzen an der Ennigerloher Straße gastierte. (…) Es waren im übrigen alles junge Leute, die sich fürs Fußballspiel begeisterten, und denen die Älteren so manchen Knüppel zwischen die Beine warfen. Immerhin gelang es dem jungen Verein schließlich doch, für längere Zeit einen fast idealen Sportplatz in Bergeler zu finden, den der Bauer Westerlemke (bis 1915) zur Verfügung stellte. Die Pachtsumme allerdings im Verhältnis zu den dünnen Geldbeuteln der zwanzig jungen Vereinsmitglieder war nicht gering.“

19. Juli 1909

Quelle: „Die Glocke“

In einem durch die „Glocke“ erhaltenen Spielbericht eines der allerersten Spiele des noch nicht einmal zwei Monate alten Vereins vom 19. Juli 1909 heißt es: „Das gestern hier bei günstigstem Wetter veranstaltete Fußballwettspiel zwischen dem erst kürzlich ins Leben gerufenen Ballspielverein und dem Fußballklub Beckum lockte eine gewaltige Zuschauermenge auf die Ennigerloher Chaussee. Der junge Oelder Verein kann auf seinen Erfolg recht stolz sein. Er nahm vier Tore, während der Beckumer Fußballklub nur ein Tor erfochten hat.“

27. September 1909

Johannes Warnecke wird erstes schweres Verletzungsopfer des SCO. Die „Glocke“ vermerkt seinen „schweren Beinbruch bei einem Fußballspiel“.

6. Dez. 1909

Der SCO ist auf den Tag genau ein halbes Jahr alt. Die „Glocke“ schreibt über „das vorgestrige Wettspiel des Fußballklubs Viktoria Ahlen und des Sportvereins Oelde, bei dem letzterer Club mit 3:0 siegreich blieb. (…) Der Sieg war auf die gute Verteidigung und das gute Komponieren der Stürmerreihe zurückzuführen.“

1910

Abtrünnige „Preußen“ gründen einen weiteren Oelder Fußballverein, die „Britannia“.

1911

Zwei Fußballvereine in einer Stadt von damals nicht einmal 7000 Einwohnern – das geht nicht gut. Im Wintergarten vom Hotel Mühlenkamp kommt es zum „Fußball-Burg-Frieden“. Beide Vereine, „Preußen“ und „Britannia“ schließen sich zum „SC Oelde 09“ zusammen.

War schon 1911 SCO-Stammlokal: Das „Mühlenkamp“. Hier eine Anzeige aus späteren Jahren.

In der SCO-Festschrift von 1959 heißt es dazu: „Nur der Beredsamkeit des damaligen Geschäftsführers Remmermann (Hamm) war es zu verdanken, dass der „FC Britannia“ seinen Platz beim Bauern Dämmer räumte, der „FC Preußen“ schweren Herzens seinen Vereinsnamen aufgab, und die Parteigänger beider Lager offiziell als „Nullneuner“ gemeinsam den schwarz-weißen Fahneneid auf den ‚SC Oelde 09‘ leisteten.“

Und weiter: „Aus dem Häuflein der 13 ersten Aufrechten (Rudolf Schöning, Hans Warnecke, Bernhard Röwekemper, Höner, Josef Schlief, Hönewinkel, Josef Wiegard, Meier, Quelle, Anton Overbeck, Leifeld, Termeer und Bretthauer) waren bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges im August 1914 drei Mannschaften und 95 Mitglieder geworden.“

1918

Im Dezember schreibt die „Glocke“: „Der Erste Weltkrieg schlug tiefe Wunden in das Leben. Erst einige Tage vor Weihnachten traf man sich wieder. Gerhard Haupt gedachte in einer kurzen Ansprache der für das Vaterland gefallenen Sportfreunde und gab der Hoffnung Ausdruck, dass mit Aufhören des Krieges ein reges Sportleben wieder aufleben möge.“

Der SCO erhält einen neuen Vorstand: Gerhard Haupt (erster Vorsitzender), Hugo Braun (Kassierer), Overbeck (Gerätewart), Schürmeyer, Tippkemper und Thinius (Spielkommission). Die Geschäfte des Schriftführers werden bis zur Rückkehr von Josef Zurkuhlen von Hugo Branz wahrgenommen. Zudem wird beschlossen, sich für 150 Mark Jahresmiete von Bauer Düding eine Wiese zu pachten. Noch heute heißt die Straße, die von der Dicken Linde zur ehemaligen Moorwiese führt, „Düdings Weg“.

1919

Im März wird die Wiese von Bauer Düding gepachtet. Die Geburtsstunde der „Moorwiese.“ „Der Moorwiesenbetrieb“, so heißt es in der Festschrift von 1959, „geriet allerdings ins Stocken, wenn ein Fuhrwerk den Platz im Zuge der Straße diagonal überquerte, wie es bei der damaligen Anlage ohne Umzäunung noch gang und gäbe war.“

1931

Der SCO gewinnt das legendäre Aufstiegsspiel gegen SV Neuhaus mit 9:0. In der 59er Festschrift heißt es: „Mit Karl Westarp, Josef Wohlfahrt, Stephan König, Theo Mersmann, Bernd Schlief, Fritz Strunck, Hugo Koerdt, Bruno Rütten, Fritz Heermann, Richard Frohn und Georg Wecek überwalzten die Gastgeber ihren Gegner sensationell hoch mit 9:0 Toren !!! – Ganz Fußball-Oelde geriet aus dem Häuschen. Fritz Strunck war als sechsfacher Torschütze Held des Tages und vertrat obendrein noch seinen Torwartkameraden Karl Westarp zwischen den Pfosten als gefeierter „Elfmetertöter“. Die Verlierer waren so entnervt, dass sie sich durch vorzeitige Aufgabe vor dem zweitselligen Waterloo retteten.“ (Vgl. zu diesem Spiel auch den Zeitzeugenbericht von Albert Uthoff im Interview.)

anerkennung-als-sportverein-oktober-2016
Anerkennung des „Sportklub Oelde 09“ (SKO) aus den 30er Jahren.
Spielerpass von Alexander Speith aus dem jahr 1939. Damals dienste der Fußball noch "... " Weitere Pässe und interessante Dokumente finden sie im Menü "Dokumente"
SCO-Spielerpass aus dem Jahr 1939. Damals dienten die „planvoll betriebenen Leibesübungen“ des Fußballs noch „der leiblichen und charakterlichen Erziehung“. Weitere Pässe und Dokumente im Menü „Dokumente„.

Saison 1946/47: Helmut Rahn spielt beim SCO

In der Festschrift zum 50. Jubiläum des Vereins heißt es: „Das neunzehnjährige ‚Vollbluttalent‘ war zwar nicht ‚meisterschaftsalleinentscheidend’ wie als Paradepferd 1954 beim deutschen Weltmeisterschaftssieg in Bern, aber seine Bombenschüsse waren schon vor zehn Jahren eine Augenweide für den Kenner und bei allen gegnerischen Torhütern gefürchtet!“

Dass Rahns „Bombenschüsse“ auch beim Torwart des SCO gefürchtet waren, dem er noch vor seiner Oelder Zeit bei einem Gastspiel auf der Moorwiese sechs Zähne ausbombte, erzählt Helmut Rahn in seiner Autobiografie: „Mein Hobby: Tore schießen“).

Widmung Rahns in einer SCO-Festschrift

In der Festschrift heißt es, Rahn habe in der Saison 1949/50 beim SCO gespielt, vermutlich ist diese Angabe aber ein Irrtum. Der Wikipedia-Eintrag zum SCO spricht vom Jahr 1946, und auch Zeitzeuge Albert Uthoff sagt in seinem Interview, Rahn habe noch „vor der Währungsreform“ beim SCO gespielt.

1955

Am 27. Juni macht der frisch gebackene Deutsche Meister Helmut Rahn, aus Hannover kommend, Zwischenstation in Oelde. Der D-Zug hält außerplanmäßig extra in Oelde, damit unserem Helmut Geschenke ins Zugabteil gereicht werden können.

Auch diese Anekdote erwähnt Helmut Rahn in seiner Autobiografie.

Mai 1960

Rudolf Haver wird 1. Vorsitzender des SCO. Nachdem Rudolf Haver sich schon vorher sehr um den Verein verdient gemacht hatte (und z.B. Helmut Rahn an den Axtbach lockte), beginnt nun ein Engagement, das den Verein nachhaltig professionalisiert. Havers Vereinsvorsitz währt bis Dezember 1969; für den SCO sind die 60er dank ihm eine segensreiche Zeit.

8. September 1962

Zu den ersten großen Veränderungen unter der Ägide von Rudolf Haver gehört die Umwandlung der Moorwiese von einer Moorwiese in einen professionellen Ascheplatz. „Die Glocke“ schreibt am 07. September:

„Mit Hochdruck werden die Bauarbeiten auf der Oelder Moorwiese vorangetrieben, um den Platz bis kommenden Sonntag beim Meisterschaftsspiel des SC Oelde gegen Ennigerloh in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Was noch vor zwei Jahren (…) wie ein Wunschtraum erschien, ist inzwischen Wirklichkeit geworden. Mit einem Kostenaufwand von 100.000 DM (…) entstand in der Rekordzeit von drei Monaten eine Hartplatzanlage, die nur noch den Namen Moorwiese mit dem tückischen und eigenwilligen Spielgrund unseligen Angedenkens gemeinsam hat…. „.

erstes-training-1962-neu-oktober2016
Quelle: „Die Glocke“ vom 8.9.1962

16. September 1963

Die Moorwiese erhält von Haver&Boecker gesponserte Flutlichtmasten.

totaleunbeh300dpi014
Dank Rudolf Haver wurde aus der Moorwiese ein richtiger Fußballplatz mit Flutlichtmasten.

1. Januar 1966

Die Stadt Oelde übernimmt das Clubheim und die gesamte Platzanlage. Die Eigenständigkeit des Vereins bleibt erhalten. Inge Heyland beginnt mit dem Verkauf ihres legendären Malzbiers für eine Mark zehn.

1984

In einer rauschenden Ballnacht wird bei viel Malz- und Oelder Bier der 75. des Vereins gefeiert. Helmut Rahn kommt als Ehrengast.

9. März 1990

Um fünf Minuten vor 22 Uhr wird die „Spielvereinigung Oelde“ gegründet.

artikel-spielvereinigung-neu-oktober-2016
Artikel aus der „Glocke“ über die Neugründung der „Spielvereinigung Oelde“

Zuvor war noch über alternative Namensvorschläge debattiert worden, doch, so die Glocke, „der von beiden ehemaligen Vorständen ausgearbeitete Vorschlag „Sportclub Eintracht Oelde 09/59“ rauschte (…) den Bach runter. „Sportvereinigung Oelde 09“ war mit 117 Stimmen eindeutiger Favorit der Gründungsversammlung!“ Schließlich heißt der neue Verein jedoch „Spielvereinigung Oelde 1990 e.V.“ Die „Glocke“: „Das neue Kind war wohlbehalten auf der Welt.“

Und der SCO war Geschichte.